Glänzend
Bronze, Messing und Gold in der Kunst
Alltagsgerät und Kultgegenstände
Metalle sind uralte Werkstoffe. Der Abbau metallhaltiger Erze, die Gewinnung der darin enthaltenen Metalle und die anschließende Verarbeitung zu Werkzeugen, Waffen oder Schmuck sind hochkomplexe Arbeitsprozesse. Sie erforderten jeweils spezifische Kenntnisse und Hilfsmittel in den einzelnen Kulturen. Wir unterteilen die Frühgeschichte daher entsprechend unter anderem in die Metallzeiten - Kupfer-, Bronze-, und Eisenzeit.
Die Edelmetalle Gold und Silber sind in allen Kulturen bekannt, wurden jedoch vor allem für die Herstellung von Luxus- und Kultgegenständen genutzt und nicht für den Alltagsgebrauch. Deshalb spielen sie bei der Epocheneinteilung keine Rolle.
In der Bibel wird an vielen Stellen von Metallen gesprochen. Wir erfahren von ihrer Verwendung als Waffen, Haushaltsgeräte oder Kultgegenstände, aber auch von ihrer symbolischen Bedeutung, wie in diesem Abschnitt aus der Offenbarung des Johannes.
"Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine Füße gleich Golderz, wie im Ofen durch Feuer gehärtet, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht" (Offenbarung des Johannes, Kapitel 1, Verse 12-16).
Die Offenbarung des Johannes ist eine Schrift einer apokalyptischen Vision. Ihre wortgewaltige und bildreiche Sprache fasziniert Menschen seit Jahrhunderten. Hier kannst du die ganze Geschichte nachlesen.
Ein Hotspot des Metallgusses in Norddeutschland
Die Herstellung von Bronze ist seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. bekannt. Sie setzt die Gewinnung von Kupfer und Kenntnisse in der Verarbeitung dieses Metalls voraus, denn Bronze ist eine Legierung aus Kupfer und Zinn mit einem Kuperanteil von mindestens 60%. Der Anteil des Kupfers kann variieren. Auch die Beimischung weiterer Metalle ist möglich. Es gibt also nicht "die" Bronze, sondern "Bronzen". Je nach Zusammensetzung variieren Farbe und Eigenschaften.
Bronze war im Mittelalter ein hochgeschätzter Werkstoff zur Herstellung von unterschiedlichsten Gebrauchsgütern und auch von Kunstwerken vor allem für den kirchlichen Bedarf. Der Bedarf an Kupfer war entsprechend hoch. Bekannte Kupferlagerstätten befanden sich zum Beispiel im Harz. Bronze stand für Dauerhaftigkeit, Funktionalität und höchste Handwerkskunst. Aus ihr wurden Glocken, Taufbecken, Grabplatten, Kirchentüren und nicht zuletzt Sakramentshäuser gegossen.
In den Lübecker Kirchen haben sich bie heute eine große Anzahl an Bronzegüssen aus dem Mittelalter erhalten. Bedeutende Werke wie das große Sakramentshaus in der Marienkirche zeugen vom Reichtum und den wirtschaftlichen Verflechtungen der Stadt.
Übrigens: Wenn eine Figur aus Metall gegossen auch aus Ton geformt wird, spricht man in der Kunstgeschichte von einer Plastik - nicht von einer Skulptur. Die Herstellungsverfahren sind völlig verschieden: Eine Skulptur wird aus einem Steinblock oder einem Holzstück nach und nach herausgearbeitet, indem das Material "abgetragen" wird. Eine Plastik entsteht, indem ein Material "aufgebaut" wird: Metall wird in eine Form gegossen oder der Ton zu einer Figur aufgebaut.
Ein ganz besonders Stück
Das bronzene Sakramentshaus ist ein besonderes Kunstwerk – in jeder Hinsicht.
Im Mittelalter diente es zur Aufbewahrung der geweihten Hostie, des Leibes Christi. Dort wurde also das Allerheiligste verwahrt. Es ist das einzige erhaltene Sakramentshaus aus Bronze in Deutschland und ein Meisterwerk des norddeutschen Bronzegusses. Mit einer Höhe von 9,5 Metern beeindruckt es nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch seine reiche Verzierung. Zahlreiche kleine Figuren stehen auf Konsolen und unter Baldachinen. Das Werk ist ein Glanzstück gotischer Kleinarchitektur und besteht aus sechs Geschossen. Trotz des verheerenden Brandes von 1942 hat es diesen überstanden.
Die Herstellung des Sakramentshauses in der Marienkirche erforderte viel Erfahrung. Es war kein Auftrag von irgendwem an irgendwen. Sowohl der technische als auch der materielle Aufwand waren enorm. Außerdem verlangt das ausgeklügelte Bildprogramm mit den vielen Heiligenfiguren einen theologischen Sachverstand beim Auftraggeber.
Das Kunstwerk setzt sich aus fast tausend einzelnen Teilen zusammen, die im Wachsausschmelzverfahren gegossen wurden. Das dazu nötige Material musste beschafft und finanziert werden. Zudem waren vor Ort Handwerker notwendig, die nicht nur den Entwurf erstellten, sondern auch die Einzelteile gossen und zusammenfügten. Solche Fachleute gab es in Lübeck: den Goldschmied Claus Rughese und den Gießer Claus Grude.
In Lübeck wurde das Sakramentshaus sehr geschätzt und im 19. Jahrhundert restauriert. Die kleinen Engel in der Sockelzone entstanden in dieser Zeit außerdem wurde damals einige Heiligenfiguren neu gegossen.
Eine verletzte Haut
Die Bedeutung der Bronze für Kunstwerke aller Art ist seit jeher erhalten geblieben. In Renaissance und Barock erlebte sie sogar eine besondere Blütezeit. Bronze wurde nun vor allem als Material für figürliche Plastiken genutzt. Das Bronzegussverfahren eröffnete den Künstler*innen neue Gestaltungsmöglichkeiten für freistehende Einzelfiguren und Figurengruppen.
Die alten Techniken, wie sie beispielsweise für den Guss des Braunschweiger Löwen angewendet wurden – einer der ersten monumentalen freistehenden Bronzeplastiken nördlich der Alpen –, entwickelten sich weiter und wurden den modernen Anforderungen angepasst.
Die technischen Voraussetzungen für die Herstellung von Großplastiken bestanden schon lange, als Gerhard Marcks in den 1960er-Jahren sein lebensgroßes Kruzifix für die Marienkirche schuf. Dennoch war es ein ungewöhnlicher Schritt, ein solches Werk aus Bronze herzustellen. Traditionell wurden Triumphkreuze aus Holz geschnitzt. Doch wie wir bereits gesehen haben, orientierte sich Marcks an mittelalterlichen Traditionen und übertrug sie in die Moderne.
Sein schlichtes Kreuz, zusammengesetzt aus Metallplatten, das wie ein Rahmen oder – könnte man sagen – wie ein Sarkophag den Körper des Gekreuzigten umgibt, gehört ebenso dazu wie die Feuervergoldung des Kruzifixes. Der Körper Jesu glänzt golden, jedoch strahlt er nicht, da die Oberfläche unregelmäßig ist. Marcks präsentiert uns den Sohn Gottes mit einer verletzten Haut. Er schuf ein Gegenstück zu dem weißen Marmorkörper des alten Fredenhagen-Altars. So sehen wir einen Gott, der den Menschen ihre Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und dem Zweiten Weltkrieg zurückspiegelt.
Ein Allerweltswerkzeug aus Eisen
Nägel spielen in der christlichen Kirche eine zentrale Rolle. Sie sind das Material, mit dem Jesus Christus ans Kreuz geheftet wurde. Sie durchbohrten seine Hände und Füße und verursachten ihm am Kreuz zusätzliche Qualen.
In der christlichen Ikonographie, der Bildsprache, erscheinen sie neben dem Kreuz und etwa der Dornenkrone auch isoliert als Marterwerkzeuge Christi. Sie sind Zeugen des Unrechts, das Menschen dem Sohn Gottes antaten, und zugleich Werkzeuge des göttlichen Heilsplans zur Erlösung der Menschheit.
Die Nägel durchbohrten Hände und Füße, an ihnen hing das ganze Gewicht des Körpers. Die Schmerzen müssen unvorstellbar gewesen sein. Alle Künstler, die eine Kreuzigungsdarstellung schufen – sei es als Gemälde, Skulptur oder Relief – mussten sich der Frage stellen: Wie mache ich sichtbar, was nicht vorstellbar ist?
Wir kennen Kruzifixe, in denen der Widerstand des Nagels im Fuß sichtbar und damit auch für die Betrachter*innen nachfühlbar wird. Ebenso gibt es Kruzifixe, in denen der Nagel wie auf den Fuß aufgesetzt wirkt, so wie hier in der Kreuzigung aus dem Fredenhagen-Altar. Der Nagel beschädigt den Fuß nicht. Das Metall ist nur ein Zeichen, das auf das Leiden verweist. Nachfühlen können wir Betrachter*innen es nicht. Die göttliche Natur Jesu bleibt unversehrt.
Nägel – aus Eisen. Ein alltägliches Material. Früher von Hand in unterschiedlichen Größen geschmiedet, heute günstig im Baumarkt erhältlich. Ein Material, das einst die Welt bewegt hat.
Nagelbilder
Nägel spielen im Werk des Künstlers Günther Uecker (+ 2025) eine große Rolle.
In den 1950er-Jahren begann er, seine Bilder mit Nägeln zu gestalten. Uecker suchte nach Schönheit und neuen Ausdrucksmöglichkeiten in der Kunst. Es war die Zeit nach dem Krieg und der Diktatur der Nationalsozialisten. Die Künstler lösten sich von den traditionellen Kunstgattungen – Malerei und Skulptur – und experimentierten mit verschiedensten Materialien.
Günther Uecker experimentierte mit Nägeln. Er schlug sie ins Holz, wie man es eben mit Nägeln tut. Dabei schlug er die Nägel nicht vollständig ins Holz ein – also nicht mit dem Ziel, zum Beispiel zwei Holzlatten miteinander zu verbinden –, sondern ließ einen Großteil des Nagels sichtbar aus dem Holz herausragen. Der Nagel wurde so zu einer Linie im Raum, die genauso genutzt werden konnte wie jede andere Linie: als grafisches Mittel, nur eben nicht auf dem Papier, sondern im Raum. Diese Linie wirft Schatten, wodurch sie sich vervielfältigt. Uecker schuf aus Nägeln poetische Kompositionen voller Bewegung und mit unterschiedlichen Betrachtungsstandpunkten.
In der Sammlung der Kunsthalle St. Annen befindet sich von Uecker ein Nagelbild mit dem Titel Wind. Bewege dich beim Betrachten von einer Seite zur anderen und du hast den Eindruck ein Weizenfeld bewegt sich im Wind.
Eisen - für alles zu gebrauchen
Eisen wurde nicht nur zur Herstellung von Nägeln verwendet. Natürlich nicht! Eisen ist ein seit Jahrtausenden bekannter Werkstoff, der sich unter dem Schmiedehammer oder in der Gussform flexibel formen lässt. Gebrauchsgegenstände für den Alltag wurden ebenso aus Eisen gefertigt wie zum Beispiel kunstvolle Gitter für Kapellen.
Eisen hat den Nachteil, dass es mit dem Sauerstoff der Luft reagiert und rostet. Beschichtungen und Bemalungen verzögern den Korrosionsprozess und verändern die Oberfläche. Besonders beliebt waren Teilvergoldungen, die kunstvolle Akzente setzten, wie bei diesem zierlichen Gitter einer früheren Grabkapelle in der Marienkirche.
Stabile Gitter sind vor allem Steckgitter: Ein Metallstrang wird durch einen anderen hindurchgesteckt, und die Schnittstelle wird zusammengeschmiedet. Das hält! Links oben im Bild sehen Sie eine solche Schnitt- oder Durchsteckstelle.
Eine absolut "tragende" Funktion hat Eisen in ganz besonderen Werkstücken der Marienkirche: in den Flügelretabeln.
Das beeindruckende Antwerpener Marienretabel kann uns nur dann beeindrucken, wenn sein Klappmechanismus auch funktioniert. Nur wenn die aus Eisen geschmiedeten Steckscharniere sorgfältig gearbeitet und gepflegt worden sind, konnten die beiden Flügel auch im wahrsten Sinne des Wortes "reibungslos" geöffnet und geschlossen werden.
Der Schmied ist hier also fast ebenso wichtig wie der Kistenmachen, der für den Bau des Schreins und der Kastenflügels verantwortlich war. Sein Anteil am Herstellungsprozess der Flügelretabel wird in der Regel nur nicht gesehen ...
Eine neue Mode
Nun soll es wieder um die wertvolleren Werkstoffe in der Kunst gehen. Wenden wir uns erneut der Bronze zu. Das Kapitel über ihre Verwendung ist noch nicht abgeschlossen. Eigentlich müsste sogar ein umfangreiches Buch darüber geschrieben werden. In der Marienkirche erhalten wir jedoch nur einen kleinen Einblick in die Geschichte der Anwendung der Bronze.
Ein besonderes Kunstwerk – oder besser gesagt ein kunstvoll gestaltetes Funktionsgerät der Marienkirche – ist ihr altes Taufbecken. Heute steht es etwas verloren im Westen der Kirche, vor dem Eingang zur alten Kapelle zwischen den Türmen. Bis 1942 war es Teil einer Taufanlage mit einem runden Podest, einem umlaufenden Gitter und einem reich verzierten Taufdeckel. Außer dem Taufbecken wurde alles andere zerstört.
Falls du dich dafür interessierst: Eine noch vollständig erhaltene Taufanlage aus dem Mittelalter befindet sich in der St.-Nicolai-Kirche in Mölln/Lauenburg.Hier kannst du darüber mehr erfahren.
Das Lübecker Taufbecken stammt aus dem Jahr 1337. Es ist durch eine Inschrift datiert, und wir kennen auch den Gießer: Hans Apengeter. Dieser wandernde Erzgießer schuf nicht nur für Lübeck beeindruckende Werke, sondern auch im gesamten norddeutschen Raum.
Bronzetaufbecken kamen im ausgehenden 13. Jahrhundert auf und erfreuten sich großer Beliebtheit. Sie ersetzten die steinernen Taufbecken, die meist aus Gotland importiert worden waren oder aus einheimischem Granit gefertigt wurden. Bronze bot einen deutlich größeren Spielraum für Verzierungen als Stein.
Die umlaufenden Reliefs wurden entweder von Anfang an in die Gussform integriert oder separat gegossen und später auf das Taufbecken aufgesetzt. Das Herstellungsverfahren des Bronzegusses war durch die Produktion von Glocken bereits gut bekannt. Für die neuen Taufbecken brauchte es kein neues Verfahren, kein neues Material und keine zusätzliche Ausbildung. Das waren gute Voraussetzungen für einen großen Erfolg.
Glücksversprechen
Bronzefiguren eignen sich besonders gut für den Außenbereich, denn sie trotzen den Witterungseinflüssen besser als Stein und entwickeln im Laufe der Zeit eine charakteristische Patina. Sie entsteht durch die Reaktion des Metalls mit Sauerstoff, Feuchtigkeit und anderen Umweltfaktoren. Je nach Umgebung und Einflüssen formen sich dabei unterschiedliche Farbnuancen und Oberflächenstrukturen. So verändert sich das Kunstwerk im Wandel der Zeit – eine Veränderung, die für den Künstler nicht vollständig vorherzusehen ist, weil sie von so vielen Faktoren abhängt.
Spannend ist auch die Wirkung menschlicher Berührung: Bereiche einer Bronzefigur, die häufig mit den Händen gestreichelt werden, verlieren mit der Zeit ihre matte Patina. Die Reibung und die natürlichen Fette der Haut glätten und polieren die Oberfläche, sodass das darunterliegende Metall wieder zum Vorschein kommt. Diese Stellen schimmern dann golden und heben sich deutlich von der umliegenden, patinierten Fläche ab.
Die Patina des Teufels vor der Marienkirche erzählt somit nicht nur von chemischen Vorgängen, sondern auch von seiner Umgebung und der Begegnung mit den Menschen. Seine Hörner sind blank poliert. Viele Hände haben sie berührt, wahrscheinlich in der Hoffnung auf ein bisschen Glück. Es gibt zahlreiche Geschichten über solche Glücksversprechen bei der Berührung von Bronzeplastiken – vielleicht liegt es an dem wunderbaren Glanz, den diese Stellen annehmen.
Eine ähnliche Geschichte wird über die Till Eulenspiegel-Figur auf dem Möllner Marktplatz erzählt. Allerdings musst du dich schon ganz schön strecken, um die Fußspitze oder den Daumen zu erreichen.
Ein plüschiger Teufelskerl
Den plüschigen Teufelskerl, der uns am Eingang der Marienkirche freundlich begrüßt, hat der Künstler Rolf Goerler 1999 entworfen. Er wurde 1927 geboren, sein 100. Geburtstag steht also kurz bevor. Goerler ist in Lübeck und ganz Schleswig-Holstein kein Unbekannter. Seinen Werken begegnen wir unter anderem in Lübeck, Hamburg und Kiel. Er arbeitete vor allem in Bronze und Stein für den öffentlichen Raum sowie für Kirchenräume. Der Teufel wirkt sehr lebensecht – sofern wir denn wüssten, wie „der Teufel“ aussieht oder aussehen würde, wenn es ihn denn gäbe. Wie auch immer. Das Fell des Teufels stellte Goerler nicht detailliert dar. Diese Reduktion der Form auf große Umrisslinien ist in seinen Werken häufig zu beobachten. Oft arbeitet er auch abstrakt, das heißt, es ist kein Gegenstand erkennbar.
Ganz in der Nähe der Marienkirche, im Lübecker Dom, ist ein beeindruckendes Kunstwerk von Goerler zu sehen. Der „Palmarumengel“ wirkt weder plüschig noch niedlich. Dieses dreiteilige Werk aus Mooreiche und Granit erinnert eindrücklich an den Schrecken des Krieges.
Hier kannst du weitere Arbeiten von Rolf Goerler kennenlernenhttps://sh-kunst.de/kuenstler/goerler-rolf/
Ein Blickfang
Ihren 100. Geburtstag hätte die Künstlerin Ingeborg Bukor im Jahr 1926 gefeiert. Auch sie ist in Lübeck keine Unbekannte. Wie Rolf Goerler schuf sie Kunst am Bau. Ihr bevorzugtes Material war Modellierbeton, doch entwarf sie auch Modelle für Bronzeplastiken.
Ihr bekanntestes Werk in Lübeck sind sicher die beiden Türgriffe der Briefkapelle der Marienkirche aus dem Jahr 1976. Die kleinen Figurengruppen ragen aus den Bronzetüren der Kapelle hervor. Sie bilden das einzige figürliche Element der beiden Türflügel. Unsere Blicke werden auf sie gelenkt, unter anderem durch die goldene Färbung der Schirme, die sich über den Menschengruppen spannen. Diese Wirkung hat die Künstlerin bewusst in ihrem Entwurf berücksichtigt: Durch die Nutzung der Türgriffe nehmen die Oberflächen nach und nach eine goldfarbene Färbung an.
Außerdem entsteht in den Vertiefungen der Figuren durch Feuchtigkeit und Sauerstoff eine grüne Patina – der Grünspan. So haben die Plastiken im Laufe der Zeit an Plastizität gewonnen.
Bronze ist ein faszinierender Werkstoff im Außenbereich, da er stets in Wechselwirkung mit seiner Umgebung steht.
Kirchentüren und ihre Portale sind übrigens ein interessantes Thema: Sie bilden den Übergang zwischen weltlichem und sakralem Raum. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieser Übergang immer wieder neu gestaltet. Selten wurden Türen vollständig aus Bronze gefertigt. Beeindruckende Beispiele sind die sogenannten Bernwardstüren am Hildesheimer Dom oder am Baptisterium in Florenz. Sie sind reich mit Reliefs verziert, die biblische Geschichten erzählen. In Lübeck hat man – viele Jahrhunderte später – auf den Bibelbezug verzichtet. Stattdessen symbolisieren die Türgriffe eine universelle Bedeutung der Kirche: Menschen kommen zusammen, im Kommen und im Gehen. Ihre Bewegung drückt ihre Gemeinschaft aus.
Gold und Silber
Neben Bronze waren natürlich die Edelmetalle Gold und Silber beliebte aber kostspielige Materialien für die Herstellung kirchlicher Kunst.
Aus ihnen trieben, gossen und ziselierten die Goldschmiede beispielsweise kostbare Reliquiare für die sterblichen Überreste der Heiligen, Monstranzen zur Aufnahme und Präsentation der geweihten Hostie - dem Leib Jesu - und das Geschirr für die Feier der Eucharistie (Abendmahl).
Der warme Glanz des Goldes fasziniert Menschen seit Jahrtausenden. Sein seltenes Vorkommen erhöht seine Attraktivität zusätzlich. Gold war das bevorzugte Material für kultisch genutzte Gegenstände und Kultfiguren, und auch im Mittelalter war das nicht anders.
Die Flügelretabel, die seit dem 14. Jahrhundert die Altäre der Kirchen eroberten, beeindrucken bis heute mit ihren goldglänzenden Festtagsseiten. Sie lassen uns für kurze Zeit in das himmlische Reich Gottes schauen - jenseits der bunten Farben unserer Welt. Flügelretabel gab es "zu Hauf" und in den verschiedensten Größen - je nach den finanziellen Möglichkeiten der Auftraggeber. Zahllose Handwerker waren in den größeren Städten mit ihrer Produktion beschäftigt- und die Fassmaler mit ihrer Vergoldung. Denn die Reliefs und Figuren der Festtagsseiten bestehen natürlich nicht aus massivem Gold, auch wenn sie oft so aussehen.
Die mittelalterlichen Flügelretabel sind wahre Meisterwerke des Wirklichkeits-Als-ob. Ein Fake? Nein! Sie sind Zeugnisse großartiger Handwerkskunst.
Den Fassmaler stand mit der Polimentvergoldung eine handwerkliche Technik zur Verfügung, mit der sie Holzfiguren in Goldfiguren verwandeln konnten. Wie eine Polimentvergoldung durchgeführt wird, erfährst du hierhttps://www.kunst-geschichte-kirche.de/vertiefen/werktechniken-vergoldung/
Figuren aus Gold und Silber
Eine besondere Ausnahme bildete das große Flügelretabel für den Hauptaltar der Marienkirche, das zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstand. Leider ist es heute bis auf wenige Reste verloren. Die Festtagsseite dieses Altaraufsatzes war tatsächlich mit Figuren aus Gold und Silber geschmückt.
Über 90 kleine und große Heiligenfiguren standen auf Konsolen und unter Baldachinen. Für die Zeitgenossen muss es ein atemberaubender Anblick gewesen sein. Doch das Edelmetall zog Begehrlichkeiten auf sich: Auf Befehl des Bürgermeisters Jürgen Wullenwever wurde das kostbare Material in den 1530er Jahren eingeschmolzen und zur Aufbesserung der Kriegskasse der Stadt verwendet.
Gold und Silber gehen nicht verloren. Sie können nicht verbrennen, zerbröseln nicht und zerfallen auch nicht zu Staub. Zudem werden sie nicht auf den Müll geworfen, denn sie sind viel zu wertvoll. Das Material existiert also weiterhin, es hat lediglich seine ursprüngliche Form verloren. Die Erinnerungen an die kostbaren Figuren des alten Flügelretabels leben irgendwo weiter – in einer neuen Gestalt, sei es als Münze, Goldbarren oder Schmuckstück. Irgendwo.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt ...
... oft ist es "nur" Messing.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit fand Messing vielseitige Verwendung für alltägliche Gegenstände wie Leuchter, Schalen oder Beschläge – also Dinge, die nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend sein sollten. Sein goldähnlicher Glanz verlieh selbst einfachen Objekten eine besondere Wertigkeit.
Messing ist, ebenso wie Bronze, eine Legierung auf Kupferbasis, jedoch entsteht es in Verbindung mit Zink. Zum Vergleich: Bronze besteht aus Kupfer und Zinn. Der Kupferanteil im Messing beträgt mindestens 50 Prozent. Die Farbe des Metalls richtet sich nach dem Zinkanteil: Ein niedriger Anteil verleiht ihm einen rötlichen Schimmer, während ein höherer Zinkanteil es gelblich erscheinen lässt. Aus diesem Grund nennt man die Gießer auch Gelbgießer. Wie bei Bronze können auch bei Messing weitere Metalle in der Legierung enthalten sein, die deren Eigenschaften beeinflussen.
Beliebt waren Grabplatten aus Messing mit feinen Gravuren und vor allem Kerzenleuchter, wie zum Beispiel dieser Wandarm in der Marienkirche. Aber auch reich verzierte große Kronleuchter mit mehrern Armen sorgten für Beleuchtung in den Kirchen. Das glänzende Metall erweckte nicht nur den Eindruck, die Leuchter bestünden aus purem Gold. Plank poliertes Messing reflektiert das Licht sehr gut und trägt damit auch selbst zur "Erleuchtung" bei.
Wandarme und Kronleuchter wurden oft von wohlhabenden Bürgerinnen und Bürgern den Kirchen gestiftet. Der Name der großzügigen Stifter, das Datum und fromme Sprüche mussten auf den wertvollen Stücken unbedingt verewigt sein. Hierfür eigneten sich kleine Täfelchen, die in die Leuchter integriert wurden. Die Inschrift konnte entweder während des Gießens mit der Tafel entstehen oder später eingraviert werden.
Es lohnt sich, diese Täfelchen genau in Augenschein zu nehmen. Oft zeigen sich dort Rechtschreibfehler, denn einen Duden, der für standardisierte Rechtschreibung sorgte, gab es damals noch nicht. Zudem konnten wohl nur wenige Gelbgießer schreiben. Vermutlich nutzten sie Vorlagen der Auftraggeber. Wenn diese in der komplexen Schriftsprache der frühen Neuzeit unsicher waren, konnten Fehler entstehen, die zwar nicht in Stein gemeißelt, aber eben in Messing gegossen wurden ...
Ein praktischer Werkstoff
Blei ist ein besonders vielseitiger Werkstoff, denn es ist schwer, dabei aber erstaunlich weich und biegsam. Im Mittelalter spielte es eine unverzichtbare Rolle bei der Herstellung von Glasmalereien.
Das Blei wurde zu langen Ruten gezogen, die mit einem H-Profil versehen als Verbindungsstücke zwischen den kleinen Glasscheiben dienten. Auf dem Foto oben lassen sich die Bleiruten sehr gut erkennen, wie sie in den Glasmalereien von Johannes Schreiter für die Briefkapelle eingesetzt wurden. Einzelne Rutenteile wurden passgenau an die Form der Glasscheiben angepasst und zu einem filigranen Netz miteinander verbunden. Mehr über die Technik der Glasmalerei erfährst du hier. Informationen zu den Glasmalereien von Johannes Schreiter findest du hier.
Auch in anderen Bereichen fand Blei Verwendung, etwa bei der Eindeckung von Kirchendächern, bei der kostengünstigen Herstellung liturgischer Geräte, die später vergoldet oder versilbert wurden, sowie für Siegel, Anhänger und die Auskleidung von Särgen.
Ein besonders wichtiges Nebenprodukt, das in der Malerei eingesetzt wurde, ist das Bleiweiß. Dieses weiße Pigment ließ sich unter Einwirkung von Essig und Kohlendioxid mühelos aus Blei herstellen. Schon seit der Antike ist es bekannt und wurde sogar als Schminke verwendet.
Im Mittelalter nutzte man Blei zudem in der Medizin für Druckverbände.
Die Giftigkeit des Schwermetalls war bereits damals bekannt. Vor allem vor der Lagerung von Lebensmitteln in Bleigefäßen und dem Einatmen von Bleidämpfen wurde gewarnt. Trotzdem blieb Blei Jahrhunderte lang ein unentbehrlicher Werkstoff, auf den man nicht verzichten konnte.
Bis heute wird es in der Glasmalerei verwendet, allerdings unter sorgfältiger Beachtung des Arbeitsschutzes.