Das Material

Der Körper der Kunst

Der Körper der Idee

Materialien sind sozusagen der Körper der Kunst, denn sie geben Ideen eine sichtbare und fühlbare Form. Ob Sandstein oder Marmor, bemaltes oder unbehandeltes Holz, Gold oder Bronze: Jedes Material bringt seinen eigenen Charakter mit und eröffnet unterschiedliche Möglichkeiten. Manche laden zum Ausprobieren ein, andere erfordern Geduld und Geschick – genau darin liegt ihre Faszination.

Das Material beeinflusst das Aussehen und die Wirkung eines Kunstwerks und prägt damit seine künstlerische Aussage. Ein grober Pinselstrich vermittelt eine andere Botschaft als eine feine Linie, schimmerndes Metall wirkt anders als Holz oder roh belassener Stein.

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich die Vorliebe der Menschen für bestimmte Materialien. Im Mittelalter zum Beispiel bevorzugte man Vergoldungen auf Holz- und Metalloberflächen. Kunstwerke aus dem Barock (17. und 18. Jahrhundert) bestehen oft aus Marmor oder imitieren dessen Optik. Eine Reise durch die Kunstgeschichte ist zugleich eine Reise durch die Geschichte verschiedener Materialien, ihrer Ästhetik und Anwendungsweisen. Wir schauen, welche Materialien in den Kunstwerken der Marienkirche verwendet wurden.

Unverzichtbar - Holz

Holz ist in der Kunst wie ein alter Freund, der Künstler*innen seit Jahrhunderten begleitet.
Im Mittelalter entstanden aus Holz beeindruckende Skulpturen und Reliefs, Tafeln für Gemälde wurden hergestellt, und Altaraufsätze konstruiert. Holz war ein relativ günstiger und leicht verfügbarer Werkstoff.
Auch in den folgenden Jahrhunderten blieb Holz das wichtigste Material in der Kunst und bei der Herstellung von Kirchenausstattungen – und das gilt bis heute.

Was macht Holz so besonders? Es lebt! Jede Maserung erzählt ihre eigene Geschichte, und kein Stück gleicht dem anderen. Mal ist es hell und weich, mal dunkel und hart – gerade diese Vielfalt macht es so spannend. Künstler*innen können Holz schnitzen, sägen, schleifen, bemalen und kombinieren. So sehen es zumindest moderne Künstler*innen.

In früheren Jahrhunderten hingegen setzten Bildhauer und Bildschnitzer alles daran, die natürliche Beschaffenheit des Holzes zu verbergen. Gold- und Steinoberflächen waren damals in Mode. Dann waren die Fassmaler gefragt: Sie vergoldeten und bemalten das Holz so, dass es wie massives Gold oder wie interessant geäderter Marmor wirkte.

Glänzend - Bronze und Messing

Metalle spielen in der Kunst seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle. Sie verbinden Haltbarkeit mit Formbarkeit und eröffnen Künstler*innen vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten.

Metalle werden nicht nur wegen ihrer Stabilität geschätzt, sondern auch wegen ihres Glanzes und ihrer symbolischen Wirkung. Besonders bedeutend ist die Bronze. Nicht ohne Grund wurde eine ganze Epoche nach ihr benannt – die Bronzezeit. Dieses Metall lässt sich hervorragend gießen und ermöglicht so detailreiche Reliefs. Der Metallguss erlaubte zudem die Reproduktion einer Form und steigerte dadurch die Produktivität.

Im Mittelalter entstanden vor allem für Kirchen aufwendige Werke mit höchstem künstlerischen Anspruch. Das Mittelalter brachte auch die Bronze zum Klingen: Es war eine innovative Zeit des Glockengusses.

In der frühen Neuzeit erlebte der Bronzeguss eine neue Blüte: Künstler experimentierten verstärkt mit Bewegung, Proportion und Ausdruck. In der Moderne schließlich wurde Bronze weiterhin verwendet, nun oft freier und abstrakter, um neue Formen und Ideen sichtbar zu machen, insbesondere in der Kunst im öffentlichen Raum.
Komm doch mit auf die Spurensuche nach Metallen in der Marienkirche.

Immer etwas Besonderes - Stein

Stein gehört ebenso wie Holz zu den bedeutendsten Materialien der Kunstgeschichte. Genau wie „Holz“ ist „Stein“ ein Oberbegriff, unter dem sich verschiedene Arten mit ihren jeweils besonderen Eigenschaften versammeln.

Im Mittelalter war Sandstein ein besonders beliebtes Material, vor allem für Portale, Reliefs und Skulpturen an und in Kirchen. Allerdings kam er nur in bestimmten Regionen natürlich vor. In Norddeutschland beispielsweise gibt es keinen Sandstein. Er musste importiert werden, ebenso wie der Kalkstein, aus dem viele heute noch erhaltene Taufbecken gefertigt sind.

In Norddeutschland fand der Backstein, ein aus Lehm geformter und gebrannter Stein, in der Architektur Verwendung. Für die Herstellung von Skulpturen war gebrannter Lehm jedoch nur bedingt geeignet, etwa als Reliefs.

Der vor allem im 17. und 18. Jahrhundert beliebte Marmor musste ebenfalls importiert werden, ebenso wie die handwerklichen Techniken zu seiner Verarbeitung. Die Verwendung von Stein als Werkstoff ist somit auch Teil der Handels- und Wirtschaftsgeschichte. Ein Rundgang durch die Marienkirche lädt dazu ein, tief in diesen spannenden Aspekt der Kunst einzutauchen.