Alles hat seine Zeit
Quer durch die Jahrhunderte
Alles hat seine Zeit
„Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde (...)", so heißt es in einem Buch des Alten Testaments. Dort ist vom Wandel die Rede, von Veränderung, die wir alle kennen. Es geht um Veränderungen zum Guten und zum Bösen, um Vergänglichkeit und um die Hoffnung auf Gerechtigkeit.
Von den großen Veränderungen, die die Marienkirche in ihrer langen, wechselvollen Geschichte „erlebt“ hat, war bereits die Rede. Nun soll es sozusagen in die Tiefe gehen. Du bist eingeladen, den Wandel zu beobachten, den einzelne Ausstattungsstücke der Marienkirche im Laufe der Jahrhunderte erfahren haben.
Dafür ändern wir die Perspektive. Es sind ja nicht die Marienkirche oder ihre Ausstattung, die etwas „erlebt“ oder „erfahren“ haben. Es sind wir Menschen, die die Kirche und alles in ihr gestaltet haben. Es sind unsere Ideen, unsere Erfahrungen, unsere Gottesbilder, unsere (Glaubens-)Vorstellungen, denen wir mit verschiedensten Materialien und Techniken Gestalt gegeben haben – immer wieder anders, immer wieder neu.
Im Zentrum - der Altar
Als Erstes betrachten wir den Altar. Er gilt als das Zentrum der Kirche. Doch halt, das stimmt so nicht ganz. Im übertragenen Sinn ist der Altar das Zentrum der christlichen Kirche. Er ist ein Ort der Erinnerung. An ihm wird an das letzte Abendmahl erinnert, das Jesus mit seinen Begleitern gefeiert hat, bevor er verhaftet und getötet wurde.
Das Sakrament des Abendmahls wird regelmäßig gefeiert und stärkt die Verbindung zu Gott sowie innerhalb der Gemeinde. Der Altar ist daher das Zentrum des Gottesdienstes und das liturgische Herzstück. Im Kirchengebäude selbst steht er nicht immer in der Mitte des Raumes, sondern häufig im Osten, wie zum Beispiel in der Marienkirche.
So ist es heute. Im Mittelalter sah die Situation in der Marienkirche anders aus: Es gab nicht nur einen Altar, sondern viele, die an verschiedenen Stellen in der Kirche standen. Die Kirche war praktisch vollgestellt mit Altären. Warum das so war und wie sich die Altäre im Kirchenraum im Laufe der Zeit verändert haben, erfährst du hier.
Das Symbol des Christentum - das Kreuz
Das Kreuz gehört zu den bekanntesten Symbolen weltweit. Es steht für das Christentum auf der ganzen Erde. In der Antike war das Kreuz jedoch ein Hinrichtungsinstrument. Im Römischen Reich galt die Kreuzigung als eine besonders grausame und entwürdigende Strafe. Vor diesem Hintergrund erscheint es erstaunlich, dass gerade dieses Zeichen zum Symbol des Christentums wurde.
Der Wendepunkt liegt im Leben und Sterben Jesu von Nazareth: Sein Tod am Kreuz und der Glaube seiner Anhänger daran, dass er nach drei Tagen von den Toten auferstanden ist, verliehen dem Kreuz eine völlig neue Bedeutung. Aus einem Zeichen der Schmach wurde ein Symbol der Hoffnung. Für Christ*innen steht das Kreuz heute für Erlösung, Liebe und Opferbereitschaft. Es erinnert daran, dass Leid nicht das letzte Wort hat, sondern in eine neue Perspektive verwandelt werden kann. Gerade diese Umdeutung macht das Kreuz so kraftvoll: Es verbindet Schmerz mit Trost, Tod mit Leben, Ende mit Neubeginn.
Im Verlauf der Geschichte hat sich die Darstellung des Kreuzes stetig weiterentwickelt. Es erscheint in schlichten Formen ebenso wie in kunstvoll gestalteten Varianten, in Kirchenräumen, auf Schmuckstücken oder in der Architektur. Jede Epoche setzte dabei eigene Akzente und gestaltete das Kreuz entsprechend ihrer religiösen Bedürfnisse. In der Marienkirche schauen wir uns verschiedene Darstellungen des Kreuzes genauer an.