Konfireise Rotterdam 2026
Gedanken und Bilder zu jedem Tag
Hier findet ihr Eindrücke von unserer Konfireise nach Rotterdam vom 6.-10. Juli 2026!
Alle Fotos von Thorsten Wulff
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Tag 1: Los geht's!
Koffer gepackt, Treffpunkt am Bahnhof und dann heißt es: Rotterdam, wir kommen! Nach einer langen Zugfahrt beginnt unser gemeinsames Abenteuer. Unser Fotograf Thorsten Wulff macht atemberaubende Bilder dieser Tage...
Von Pamina und Luise
Wir trafen uns um 8:30 Uhr am Bahnhof.
Die ersten zwei Zugfahrten verliefen problemlos. Am Bahnhof in Osnabrück mussten wir dann jedoch c.a. 40min auf unseren Anschlusszug warten.
Das Wetter wurde immer besser je länger wir unterwegs waren.
Wir bekamen nicht viel von der Grenzüberquerung mit. In der Niederlande Stiegen wir noch einmal um und kamen dann nach c.a. 9 Stunden am Rotterdam Hbf an. Nach einer Auseinandersetzung mit einem aufgebracht Niederländer der einen von uns beschuldigte ihm die Sonnenbrille geklaut zu haben mussten wir noch von einer Mitarbeiterin aus dem Bahnhof entlassen werden.
Wir waren alle sehr beeindruckt von unserer Unterkunft.
Nach einem leckeren Abendessen gingen wir zum alten Hafen bei uns direkt vor der Tür und machten dort noch ein paar Gruppenfotos.
Danach durften wir wenn wollten noch in kleinen Gruppen in die Stadt gehen.
Erasmus von Rotterdam (1466-1539), der große niederländische Theologe, Philosoph, Philologe hätte in humanistischer Tradition geschrieben:
Zur halben Stunde nach acht versammelten wir uns am Bahnhof, entschlossen, unsere Reise mit Geduld und guter Zuversicht anzutreten. Die ersten beiden Zugfahrten verliefen ohne jedes Hindernis und erinnerten daran, wie angenehm ein geordneter Verlauf menschlicher Unternehmungen sein kann. In Osnabrück jedoch lehrte uns eine Wartezeit von nahezu vierzig Minuten jene Tugend der Geduld, die oft fruchtbarer ist als unablässige Geschäftigkeit.
Während wir weiter gen Westen reisten, zeigte sich der Himmel von Stunde zu Stunde freundlicher. Es schien beinahe, als wolle die Natur selbst den Reisenden zu verstehen geben, dass Licht und Wärme denen zuteilwerden, die ihren Weg unbeirrt fortsetzen.
Den Übergang in die Niederlande bemerkten wir kaum, was abermals erkennen lässt, dass Grenzen häufiger das Werk der Menschen als der Natur sind. Nach einem letzten Umstieg erreichten wir nach beinahe neun Stunden Rotterdam, die Stadt, deren Name durch den Gelehrten Erasmus weit über ihre Mauern hinaus bekannt geworden ist.
Kaum angekommen, bot sich uns ein kleines Schauspiel menschlicher Leidenschaften. Ein erregter Mann beschuldigte einen aus unserer Gemeinschaft, seine Sonnenbrille entwendet zu haben. Dass der Streit schließlich durch das besonnene Eingreifen einer Mitarbeiterin des Bahnhofs beigelegt wurde, erinnerte daran, dass Vernunft und Mäßigung oft größere Kraft besitzen als Zorn und laute Worte.
Unsere Unterkunft übertraf alle Erwartungen und erfüllte uns mit aufrichtiger Freude. Nach einem wohlschmeckenden Abendessen begaben wir uns zum alten Hafen, der sich unweit unserer Herberge befand. Dort hielten wir einige Gruppenbilder fest – nicht aus Eitelkeit, sondern um der Erinnerung willen, deren Wert mit den Jahren nur wächst.
Als der Abend herabsank, wurde es uns freigestellt, in kleinen Gruppen die Stadt zu erkunden. Denn Reisen dient nicht allein dem Wechsel des Ortes, sondern vor allem der Erweiterung des Geistes. Wer mit offenen Augen geht, kehrt niemals mit leeren Händen zurück.
Tag 2: Mehr als Geschichte
Was haben eine Kirche, ein Nagelkreuz und die Geschichte einer zerstörten Stadt mit unserem Leben heute zu tun? Wir gehen auf Spurensuche und entdecken, wie Versöhnung Zukunft möglich macht. Wir sind zu Gast in der deutschen Gemeinde in Rotterdam und in der Laurenskerk.
Von Linn, Benny und Milo
Heute verbrachten wir einen abwechslungsreichen Tag in Rotterdam in den Niederlanden.
Zunächst besuchten wir das Deutsche Gemeindehaus. Dort erfuhren wir viel über die Arbeit der Gemeinde und ihre Bedeutung für die deutschsprachige Gemeinschaft. Außerdem konnten wir uns mit Stefan austauschen und interessante Einblicke gewinnen.
Anschließend besichtigten wir die Laurenskerk – das einzige mittelalterliche Bauwerk im Stadtzentrum, das die Bombardierung Rotterdams im Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Während der Führung erfuhren wir viel über die Geschichte der Kirche, ihren heutigen Umbau sowie über die verschiedenen Kulturen und Religionen, die dort miteinander in den Dialog treten.
Besonders beeindruckend war die große Orgel der Kirche, die zu den größten Orgeln Europas zählt. Vor der Kirche steht außerdem das Denkmal für Erasmus von Rotterdam. Erasmus war einer der bedeutendsten Humanisten Europas und setzte sich für Bildung, Toleranz und Frieden ein. Seine Ideen beeinflussten auch Martin Luther, obwohl beide unterschiedliche Wege gingen.
Ein weiterer Programmpunkt war das Nagelkreuz der Versöhnung. Dort erfuhren wir mehr über die Bedeutung des Nagelkreuzes als internationales Symbol für Frieden, Versöhnung und Verständigung zwischen Menschen und Völkern.
Nach dem offiziellen Programm hatten wir noch etwas Freizeit, bevor wir gemeinsam zu Abend aßen. Anschließend ließen wir den erlebnisreichen Tag ausklingen und gingen müde, aber mit vielen neuen Eindrücken ins Bett.
Erasmus von Rotterdam war auch wieder dabei
Heute führte uns unser Weg durch Rotterdam – eine Stadt, deren Geschichte lehrt, dass nicht der Stein das Gedächtnis einer Gemeinschaft bewahrt, sondern der Geist, der in ihr lebt. Wo Gebäude fallen, kann der Mensch sie neu errichten; wo jedoch Vernunft, Glaube und Menschlichkeit verloren gehen, wird jeder Wiederaufbau vergeblich.
Im Deutschen Gemeindehaus wurde sichtbar, dass Gemeinschaft nicht aus Mauern, sondern aus der Bereitschaft entsteht, Verantwortung füreinander zu tragen. Im Gespräch mit Stefan zeigte sich eine einfache Wahrheit: Erkenntnis wächst nicht dort, wo jeder nur seine eigene Stimme erhebt, sondern dort, wo der Mensch bereit ist, dem anderen zuzuhören. Denn der Dialog ist nicht das Ende der Wahrheit, sondern ihr Anfang.
Die Laurenskerk, die als einziges mittelalterliches Bauwerk die Zerstörung Rotterdams überdauerte, steht wie ein Gleichnis der Beständigkeit. Ihre heutige Offenheit für Menschen verschiedener Kulturen und Religionen erinnert daran, dass Wahrheit ihre Würde nicht dadurch verliert, dass sie dem Fremden begegnet. Im Gegenteil: Was wahr ist, braucht die Begegnung nicht zu fürchten.
Die mächtige Orgel erhebt viele einzelne Stimmen zu einer Harmonie. Vielleicht liegt darin ein Bild des menschlichen Zusammenlebens: Nicht Gleichförmigkeit schafft Frieden, sondern die geordnete Verschiedenheit.
Vor der Kirche erinnert das Denkmal an Erasmus von Rotterdam. Er lehrte, dass Bildung den Menschen nicht mit Wissen schmückt, sondern seinen Charakter formt. Vernunft ohne Demut wird Hochmut, Frömmigkeit ohne Nachdenken wird Aberglaube, und Gelehrsamkeit ohne Liebe bleibt leer. Darum beginnt jede wahre Erneuerung nicht bei den Institutionen, sondern beim Menschen selbst.
Auch das Nagelkreuz der Versöhnung verweist auf diese Einsicht. Frieden entsteht weder durch Vergessen noch durch den Sieg des Stärkeren, sondern dort, wo der Mensch den Mut findet, Schuld anzuerkennen und den anderen nicht als Gegner, sondern als Mitmenschen zu sehen.
So endete der Tag mit der Erkenntnis, dass die größte Leistung einer Stadt nicht ihre Architektur ist, sondern ihre Fähigkeit, Räume zu schaffen, in denen Vernunft, Glaube und Menschlichkeit einander begegnen.
Tag 3: Hafen. Menschen. Horizonte.
Riesige Schiffe, spannende Begegnungen und ein Blick hinter die Kulissen des größten Hafens Europas – heute erleben wir Rotterdam von seiner internationalen Seite. Wir sind zu Gast bei der Seemannsmission - was die und ihre jungen FSJlerinnen wohl so machen? Und wir treffen den Theater- und Opernregisseur Wim Trompert (Utrecht), der in St. Marien den Notke-Totentanz rekonstruiert hat, lernen Kulturleben in den Niederlanden kennen.
Von Jakob
Heute mussten wir leider ziemlich früh aufstehen, weil wir schon um 9 Uhr mit der Bahn zur Seemannsmission in Rotterdam gefahren sind. Dort haben wir zuerst eine kurze Einführung bekommen. Anschließend ging es mit dem Bus weiter zu einer etwa 1¼-stündigen Hafenrundfahrt.
Während der Rundfahrt konnten wir viele riesige Containerschiffe und sogar zwei Bohrplattformen sehen. Es war spannend, einen so großen Hafen aus nächster Nähe zu erleben.
Nach der Hafenrundfahrt sind wir zurück zur Seemannsmission gefahren. Dort haben wir gemeinsam eine Runde Kahoot gespielt, Fragen gestellt und noch mehr über den Hafen und die Arbeit der Seemannsmission erfahren.
Danach wurden wir zum Bahnhof gebracht und sind mit der Bahn zurückgefahren. Am Abend gab es dann Essen, anschließend hatten wir noch etwas Freizeit. Den Tag haben wir gemütlich ausklingen lassen und sind schließlich ins Bett gegangen.
Erasmus
Der heutige Tag begann zu einer Stunde, zu der selbst die Tugend noch mit dem Schlaf ringt. Doch wer Erkenntnis gewinnen will, darf nicht darauf warten, dass die Sonne ihn höflich dazu einlädt. So machten wir uns früh auf den Weg zur Seemannsmission im Hafen von Rotterdam.
Dort lernten wir zunächst einen Ort kennen, an dem nicht Waren, sondern Menschen im Mittelpunkt stehen. Denn während Schiffe Kontinente verbinden, drohen jene, die sie steuern, bisweilen von der Welt vergessen zu werden. Es ist eine heilsame Erinnerung, dass jeder Hafen nicht allein Kräne, Container und gewaltige Maschinen braucht, sondern ebenso offene Türen, hörende Ohren und ein wenig Menschlichkeit.
Bei einer Fahrt durch den Hafen offenbarte sich uns die erstaunliche Kunst des Menschen. Riesige Containerschiffe glitten an uns vorüber, Bohrplattformen ragten wie künstliche Inseln aus Stahl empor. Man könnte versucht sein, darin den Triumph menschlicher Vernunft zu sehen. Doch ebenso gut ließe sich fragen, ob alle Größe, die wir errichten, auch der Größe unseres Herzens entspricht. Denn nicht jeder, der ferne Länder erreicht, findet dadurch auch den Weg zu sich selbst.
Zurück in der Seemannsmission begegneten wir der Erkenntnis auf unerwartete Weise: nicht in staubigen Büchern, sondern in einem Kahoot-Quiz. Manche Antwort war klüger, manche mutiger geraten. Und wie so oft zeigte sich, dass der Irrtum kein Feind des Lernens ist, sondern dessen treuester Begleiter – vorausgesetzt, man besitzt die Demut, über ihn auch einmal zu lachen.
Am Abend brachte uns die Bahn wieder heim. Nach dem Essen blieb Zeit für Gespräche, für Lachen und für jene unscheinbaren Augenblicke, aus denen Gemeinschaft wächst. So endete der Tag mit einer Einsicht, die älter ist als jeder Hafen und doch niemals an Aktualität verliert: Nicht allein die Schiffe brauchen einen sicheren Hafen. Auch wir Menschen leben davon, dass es Orte gibt, an denen wir willkommen sind.
Tag 4: Salzwasser & Segen
Sonne, Strand, Gemeinschaft und ein ganz besonderer Moment: Am Ende des Tages feiern wir Taufen in der Nordsee – ein Erlebnis, das lange in Erinnerung bleiben wird. Unsere Jugendlichen bereiten ein Tauffest vor, wie es traumhafter nicht sein könnte...
Von K+I
Welch wunderliche Lehrmeisterin doch das Meer ist! Es predigt ohne Kanzel, widerspricht ohne Worte und lädt dazu ein, größer zu denken als die eigenen Gewissheiten. Der heutige Tag beschenkte uns reich: Sonne über dem Strand, eine herrliche Brandung, Baden, Lachen und Chillen – Stunden, in denen die Zeit selbst langsamer zu werden schien. So wurde der Strand nicht nur zum Ort der Erholung, sondern auch zur Schule der Gelassenheit. Beim gemeinsamen Mittagsmahl im Sand merkten wir, dass Brot und Gespräche gleichermaßen sättigen und Gemeinschaft oft dort wächst, wo niemand etwas leisten muss.
Unsere Jugendlichen bereiteten mit großer Hingabe das Tauffest vor, das wir am Abend in den Wellen der Nordsee feierten – ein bewegender Augenblick, wie ihn keine Kirche schöner hätte inszenieren können. Wer das Wasser berührt, spürt vielleicht: Der Glaube ist kein Besitz, sondern ein Wagnis, immer neu geboren zwischen Vertrauen und Freiheit. Die Wellen löschen unsere Spuren im Sand, nicht aber die Erfahrungen, die sich im Herzen einschreiben.
Später füllten wir die Taschen mit Proviant für die Heimreise. Auch das gehört zur Weisheit des Lebens: Wer aufbricht, sorgt vor, doch niemand kann den Weg ganz berechnen. Vielleicht liegt gerade darin Gottes feiner Humor.
Von unserem Haus aus leuchtet Nacht für Nacht über dem Stadtraum ein Leuchtband mit den Worten des Dichters Lucebert: „Alles von Wert ist wehrlos.“ Selten schien dieser Satz so gegenwärtig wie heute. Liebe, Hoffnung, Freundschaft und Glaube lassen sich weder erzwingen noch absichern. Gerade ihre Verletzlichkeit macht ihren Wert aus. Vielleicht gilt dies auch für die Taufe: Sie macht den Menschen nicht unangreifbar, sondern erinnert daran, dass Gottes Stärke oft dort aufscheint, wo wir unsere Schutzschilde ablegen. So endet dieser Tag mit salzigen Haaren, sonnenwarmen Gesichtern und vollen Herzen – und mit einer Frage für den Heimweg: Was wäre, wenn das Wehrlose nicht unsere Schwäche, sondern der Ort wäre, an dem Gott uns am tiefsten begegnet?
Tag 5: Bye, Rotterdam!
Eine Woche voller Eindrücke, Gespräche und gemeinsamer Erlebnisse geht zu Ende. Im Zug zurück bleibt Zeit, Erinnerungen zu teilen und auf die Reise zurückzublicken. Eine Erfahrung, die ein Leben lang wirken wird.
Von K u. I
So endet jede Pilgerschaft: nicht mit einem großen Paukenschlag, sondern mit einem Frühstück. Zwischen Marmelade und Müslischalen wurde uns bewusst, dass eine Woche mehr sein kann als sieben Tage. Sie kann den Blick verändern. Wer Rotterdam nur als Stadt betrat, verließ sie mit Geschichten, Fragen und Erinnerungen im Gepäck.
Doch weil Gott offenbar einen feinen Sinn für Humor besitzt, begann die Heimreise damit, dass wir unseren ersten Zug verpassten. Ein Humanist verzweifelt darüber nicht. Er weiß: Der kürzeste Weg ist selten der lehrreichste. Also führte uns die Vorsehung über Utrecht und Viersen – und dort erfuhren wir eine weitere Lektion des Lebens: Fahrkarten halten sich manchmal strenger an Regeln als Menschen.
Zum Glück begegneten wir Schaffnern, die bewiesen, dass Barmherzigkeit nicht nur in dicken Büchern vorkommt. Sie sahen keine Gruppe mit ungültigen Tickets, sondern müde Reisende voller Eindrücke. Vielleicht ist genau das christliche Nächstenliebe: den Menschen wichtiger zu nehmen als den Stempel auf dem Papier.
Die Züge waren überfüllt, die Rucksäcke schwer, die Sitzplätze rar. Und doch blieb die Stimmung erstaunlich leicht. Denn wer gemeinsam lacht, reist bequemer als derjenige, der allein im Erste-Klasse-Abteil grummelt. Vielleicht besteht Weisheit gar nicht darin, immer pünktlich anzukommen, sondern den Umweg mit Humor zu gehen.
So kehrten wir schließlich nach Lübeck zurück – etwas müder, etwas klüger und hoffentlich ein wenig menschlicher. Erasmus hätte wohl geschrieben: Nicht jede Reise führt den Menschen an einen neuen Ort. Die besten Reisen führen ihn zu einer neuen Sicht auf die Welt. Und wenn dabei ein Zug verpasst wird, ist das oft nur Gottes elegante Art zu sagen: Für die wichtigste Lektion war noch ein kleiner Umweg nötig.
Danke, liebe Konfis!!